Zmicier Vishniou

Er studierte Philologie und Journalistik in Minsk (Weißrussland), wo er auch heute zu Hause ist. Vishniou ist einer der prägenden Autoren in der weißrussischen Literatur der jüngeren Generation. Er ist Dichter, Performance-Künstler, Literaturkritiker und Programmdirektor der Literaturzeitschrift „Teksty“. Seit 2007 leitet er gemeinsam mit Michas Bashura den weißrussischen, staatlich-unabhängigen Verlag Galiafy.
Vishniou war Mitbegründer der Künstlerbewegung "Bum Bam Lit", die eine Wiederentdeckung der weißrussischen Sprache in der Literaturlandschaft auslöste. Aus dieser Bewegung gingen in den 90er Jahren neben Smizer Wischnjou eine Reihe weiterer jüngerer Autoren hervor wie Valzhyna Mort, Michas Baschura, Ilja Sin oder wurden später davon beeinflusst wie Wolha Hapejewa und Alherd Bacharewitsch.
Vishniou blickt auf mehrere Lyrikbände zurück wie "Шкабкавый тамтам" (Gestreiftes Tamtam) 1998, "Vestibule Moskito, Texts and visual works" (2001) sowie 2002 Prosa "Трап для сусьлiка" (Gangway für die Zieselmaus) und Essaybände. Zuletzt erschien sein Gedichtband "Фараон у заапарку" (Pharao im Zoo) 2006. In seiner Dichtung thematisiert er das Urbane, spielt mit den Utopien und Formen der Avantgarde, vornehmlich dem Futurismus oder knüpft in den Klang-Experimenten an den Dadaismus an wie in seinem Gedichtzyklus „Ich bin ein Wilddieb! Ich raube Gedichte in Deutschland!“. Diesen Titel trug seine letzte Lesereise mit Podiumsgesprächen in Dresden und Berlin.
Als Autor und Verleger engagierte er sich für länderübergreifende Projekte, aus denen die deutsch-weißrussischen Anthologien „Frontlinie 1“ und „Frontlinie 2“ (2003, 2007) hervorgingen. Sein Aufenthalt im Kunsthaus Tacheles in Berlin inspirierte ihn zu seinem Roman-Debüt „Замак пабудаваны з крапівы (Das Brennesselhaus), 2010 (dt. 2014).

Zmicier Vishniou: DAS BRENNESSELHAUS

Roman. Übersetzt von Martina Jakobson

Safa Burschtyn, der seit seiner Geburt auf dem elterlichen Sofa die Welt “ kopfüber entdeckte und deshalb Schriftsteller wurde”, verdient sich seinen Lebensunterhalt mit dem Malen pseudostalinistischer Ölgemälde. Er lebt in Minsk, bis Seltsames geschieht: Ein Handwerker gräbt einen Tunnel durch seine Wohnung, seine Freundin Natascha entführt ihn in die mythischen Sümpfe der weißrussischen Sprache, die Kaktusmafia lässt den Gemüsegarten der Großeltern zuwuchern, ein gelber Gartenzwerg überwacht Safa gleich einem Angehörigen des Geheimdienstes – ob real oder virtuell, jede dieser Gestalten unternimmt den Versuch, Safa davon abzuhalten, seinen Roman zu schreiben. Safa landet schließlich im Künstlerhaus “Tacheles” in Berlin inmitten von Freaks, Performern, Kunsthändlern, Literaturagenten und schrägen Typen. Geheime Drahtzieherin und literarische Metaebene des Romans ist eine schräge weißrussische Großmutter, die in wandelbarer Gestalt als Literaturkritikerin oder Lebensberaterin mit moralischen Ansprüchen das Geschehene kommentiert und vorantreibt. Eine surreale, hochkomische und überaus unterhaltsame Tour de Force durch die weißrussische Seele, eine wundersame Reise für Safa, ein großer Roman!

Zmicier Visniou ist einer der bedeutensten Erzähler der jungen weissrussischen Literatur. "Das Brennesselhaus ist sein erster Roman.